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Fragen und Antworten zum Themenkomplex
"Weiterbau der Linie 4 bis nach Babenhausen Süd"

Bis zum 18.2.2017 wurde von der Politik geleugnet, dass es ernsthafte Pläne in dieser Richtung gibt. In Planspielen wurde aber immer wieder eine mögliche Führung entlang von Schloßhof- und Voltmannstraße diskutiert. Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses hat jetzt aber zugegeben, dass seine Pläne in eine andere Richtung gehen: Linienführung über Felder und unbebaute Kulturlandschaft (schwarze Linie im Kartenausschnitt).







 

Was wären die Vorteile einer Verbindung der Linie 4 mit der Endhaltestelle Babenhausen Süd?

Inwiefern die Verbindung der beiden Strecken zu einer "Tangentialstrecke" Vorteile bieten und ob diese in einem ökonomisch vertretbaren Verhältnis zu den Kosten stünden, ist umstritten und müsste auch nach Aussage von moBiel zunächst erst einmal durchgerechnet werden. 
Ein Vorteil könnte die bessere Anbindung des Bielefelder Nordens an die Universität (Jöllenbeck, Theesen) sein, aber nur, wenn die Nutzer, die von dort kommen in Babenhausen auf dem "park-and-ride" Parkplatz umstiegen (was zweifelhaft ist: warum sollte ein Autofahrer aus Jöllenbeck für die letzten 2 Kilometer umsteigen, solange es an der Uni kostenfreies Parken gibt?). Profitieren würden mit Sicherheit die Wohngebiete links und rechts der Strecke von der Anbindung an das Stadtbahnnetz, wobei es nicht ausgemacht ist, dass die Anzahl der potientiellen Fahrgäste  ökonomisch ausreicht. Die heutige Tangentialbuslinie 31 aus Schildesche über Babenhausen Süd ist keinesfalls ausgelastet und fährt demzufolge noch nicht einmal im 10-Minuten-Takt.
Weil angenommen wird, dass Studierende und Bedienstete der Hochschulen von einer besseren Anbindung profitierten, wird das Projekt als „Handlungsempfehlung“ im Steckbrief 5.01/5.07 des "Strategiekonzepts Wissenschaftsstadt" empfohlen, aber, wie gesagt, dieser Beweis ist erst noch zu erbringen. Nach deder Potenzialanalyse von moBiel wäre eine Verlängerung der Linie 4 bis zur Linie 3 über die Voltmannstraße, obwohl dort schon dichte Bebauung besteht, defizitär.
 

Welche möglichen Trassenführungen gibt es?

Eine mögliche Führung, die in der Potenzialanalyse von moBiel durchgerechnet wurde, ist eine Trasse von der Schloßhofstraße durch den Gellershagengrünzug zur Voltmannstraße (in der Karte nicht eingezeichnet). Die frage ist, wie realistisch eine solche Linienführung ist, u.a., weil die Voltmannstraße ohnehin belastet von Autoverkehr ist und zur Zeit für mehrere Millionen Euro saniert wird.

Eine Verlängerung über die Dürerstraße, die in den Planunterlagen angedacht ist, würde die Dürerstaße mit ihrem Baumbestand zerstören, um dann im Wohngebiet jenseits der Hainteichstraße in Babenhausen zu "stranden" oder sie müßte über die Hainteichstraße und im letzten Abschnitt über die Voltmannstraße geführt werden. Die Realisierungschancen sind wohl auch gering.

Herr Fortmeier, der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, hat aber in einem Zeitungsinterview am 18.2.2017 zugegeben, dass seine Pläne in eine andere Richtung gehen: Linienführung über Felder und unbebaute Kulturlandschaft (über den Weg "Am Poggenpohl", schwarze Linie im Kartenausschnitt).
Was außerdem auffällt, ist die Häufung enger Kurvenradien und rechter Winkel im Trassenverlauf. Das wäre planerischer Unfug, denn solche Streckenabschnitte machen die Stadtbahn langsam (höchstens Schrittgeschwindigkeit), laut (fragen Sie die Anwohner) und wartungsintensiv (Schmierung, hoher Verschleiß von Fahrgestellen und Gleisen). Hier müsste noch nachgebessert werden, aber davon ist im Prozess auszugehen.
 

Welche Konsequenzen hätte die Streckenführung über "Am Poggenpohl"?

Dies ist die einzige Variante, die nennenswertes Realisierungspotenzial hat (schwarze Linie im Kartenausschnitt). Es ist zu erkennen, dass sie bis zur Babenhauser Straße ausschließlich über Felder und unbebaute Kulturlandschaft führt. Neue Fahrgäste für den ÖPNV gewinnt man so natürlich nicht.
Stadtplanerisch und vor allem ökonomisch macht eine solche Streckenführung nur Sinn, wenn beidseits der Trasse Bauland ausgewiesen wird - und zwar am gesamten Streckenverlauf und nicht nur, wie bereits von Herrn Fortmeier zugegeben, auf einigen kleinen Parzellen nahe der Babenhauser Straße.
Diese Streckenführung hätte also die vollständige "Erschließung" und Bebauung des kompletten Areals zwischen Universität und Babenhauser Straße zur Folge!
 

Finanzielle Verschwendung

Hierbei geht es um noch mehr Geld. Schon für das 1,4 km lange Teilstück von der Haltestelle Lohmannshof bis zur Schloßhofstraße muss man bei Realisierung von mindestens 20 Millionen Euro ausgehen – finanziert natürlich aus Steuermitteln. Bei Streckenführung bis "Babenhausen Süd" muss man von Baukosten von insgesamt nicht weniger als 100 Millionen Euro ausgehen. Auch die Betriebskosten von moBiel werden duch zusätzliches Personal und zusätzliche Züge steigen (sicherlich um mehr als eine Million €/Jahr). Laut Potenzialanalyse wird die Verknüpfung der Linien 3 und 4 defizitär sein - neue Fahrgäste findet man auf den Feldern links und rechts der Strecke ja eher selten (es sei denn, es würde massiv zugebaut).
Das Geld das hier versenkt wird, wird an anderer Stelle fehlen: irgendwo wird es wieder hereingeholt werden müssen - und das betrifft ganz Bielefeld.
 

Gibt es Alternativen, die zu einer besseren Anbindung des „Campus Nord“ führen würden?

Schaut man sich den geplanten Trassenverlauf aus der Vogelperspektive an, kann man eigentlich nur mit dem Kopf schütteln: Die Stadtbahn soll sich in einer S-Kurve um die Wohnsiedlung „Hof Hallau“ und am Rande des Naturschutzgebietes entlang schlängeln. Enge Kurvenradien, Straßenquerungen und Nähe zur vorhandenen Wohnbebauung werden dazu führen, dass dieser Streckenabschnitt nur im sprichwörtlichen „Schneckentempo“ befahren werden kann.
Gerade wenn man die Linie 4 weiter Richtung Babenhausen Süd verlängern möchte, macht dieser Streckenabschnitt natürlich gar keinen Sinn. Im Gegenteil: Er würde dazu führen, dass sich die Fahrzeit auf der Strecke verlängert ... zum Nachteil aller Fahrgäste!
Gibt es Alternativen? Denkbar ist hier sicherlich vieles. Eine erheblich bessere Anbindung des „Campus Nord“ würde man z.B. erreichen, wenn sich die Linie 4 vor der Haltestelle Wellensiek gabelte und eine neue Haltestelle in unmittelbarer Nähe der FH gebaut würde. Diese Variante wäre kürzer, billiger und wesentlich weiter von der vorhandenen Wohnbebauung entfernt. Die vorhandene Wendeschleife könnte man dabei weiter nutzen, oder die Linie 4 gleich über den Zehlendorfer Damm zur Wertherstraße und dann nach Dornberg verlängern.
Es wäre schön, wenn die Verantwortlichen eine Lektion lernten: Es lohnt sich, erst für die Zukunft zu planen und dann erst mit dem Bau zu beginnen.

 
FAZIT
Eine Stadtbahnverlängerung durch unbebaute Kulturlandschaft, die selbst nach optimistischen Prognosen des Betreibers moBiel mehr als dreimal defizitärer ist als eine durchschnittliche Strecke? Da muss man sich überlegen, ob moBiel dieses Geld nicht lieber an anderer Stelle investieren würde.

Aktuell

Präsentation der Bürgerinfo vom 20.11.

 
Die Entscheidung zur Linie 4 ist in den politischen Gremien gefallen.

Die Ablehnungen auf die Einwendungen der Bürgerinnen und Bürger sind hier nachzulesen.

Das einzige Mittel, das noch bleibt, ist eine Klage gegen das Verfahren. Wer diese finanziell unterstützen möchte, kann das in unserem Spendenbarometer deutlich machen.
 
Zum Nachlesen
Ortsteilentwicklungskonzept,
das mit den Bürgerinnen und Bürgern am 8.6.2017 in der Grundschule Babenhausen diskutiert wurde