STOPPT DEN
FLÄCHENFRAß!

WIR FORDERN DEN SCHUTZ DES LANDSCHAFTS- UND ERHOLUNGSRAUMES DORNBERG - BABENHAUSEN

Klima-Anpassungskonzept

Bauplanung konterkariert Klimagutachten
 
Im August 2019 wurde das von der Stadt Bielefeld in Auftrag gegebene Klimaanpassungskonzept veröffentlicht. Angefertigt wurde es von den renommierten Gutachterteams GEO-Nat und MUST – Städtebau. In dem Gutachten wird detailgenau analysiert, in welcher Weise der Klimawandel die Stadt betrifft. Dargestellt wird die Zunahme der Erwärmung und ihre unterschiedlichen Auswirkungen in den Stadtteilen, die Häufung und Intensivierung von Hitzetagen und Starkregenereignissen. Aufbauend auf den Erkenntnissen werden gezielte Maßnahmen vorgeschlagen, um die negativen Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger zu minimieren. Für die Verwaltung steht nun im Mittelpunkt, diese Erkenntnisse in den Bereichen der

  • Stadt- und Landschaftsplanung
  • Straßen- und Freiraumplanung
  • Siedlungswasserwirtschaft
  • Planung öffentlicher Gebäude
 

anzuwenden. Für die Beurteilung der Lage vor Ort haben die Gutachter detailgenaue Planungshinweiskarten erstellt, die den (lokalen) Ist-Zustand und den – bei der Realisierung der städtebaulichen Vorhaben – künftigen Zustand gegenüberstellen. Die Bewertungen, die man diesen Karten entnehmen kann, geben klare Hinweise für geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz.
 
Wenn wir nun uns die Karten für die in Babenhausen geplanten Bebauungsgebiete näher ansehen, so fällt besonders die 38 ha große Fläche am Poggenpohl auf. Zur Erinnerung: für diese Fläche ist eine mehrgeschossige Bebauung mit 2.300 Wohneinheiten, entsprechend 8.000-10.000  Bewohner:innen, im von der Bauverwaltung vorgestellten  Ortsteilentwicklungskonzept geplant. Die Expert:innen der Begutachtungsteams schätzen die genannte 38 ha große Fläche in ihrer klimaökologischen Bedeutung als „sehr hoch“ ein. Das heißt: Für die Gesundheit und das Wohlbefinden der in der Umgebung lebenden Menschen stellt die Fläche eine sehr wertvolle Ressource dar. Die Fläche besitzt nämlich großes Kaltluftpotenzial und liegt inmitten einer breiten Kaltluftbahn. Folgerichtig bewerten die Gutachten das Gebiet als „für den Siedlungsbau sehr ungünstig“. 
 
Wenn die Stadt das Klimaanpassungskonzept in Auftrag gegeben hat, um Hinweise für geeignete Wohn- und Gewerbebauflächen zu erhalten, dann sollten diese Ergebnisse genügen, die Finger von einer etwaigen Bebauung zu lassen.
 
Vor diesem Hintergrund macht auch die Forderung des dort ansässigen Landwirts Sinn, die Fläche aus dem neu aufzustellenden Regionalplan zu streichen. Sie war dort als Potenzialraum für Wohnbebauung zu Zeiten hineingekommen, als man stadtklimatische Faktoren noch nicht als Teil städtischer Bauplanungen betrachtete. Jetzt hat man das Gutachten und seine Aussagen sind eindeutig und wissenschaftlich fundiert. Mit der Maßnahme, die Fläche aus dem Regionalplan zu streichen, könnte die Stadt zeigen, dass sie ihr eigenes Klimagutachten ernst nimmt.
 
Bewertungskarten des Klima-Anpassungskonzepts 
Bild 1


Bild 2


Zur Erläuterung: Bild 1 beschreibt die klimaökologische Bedeutung der Flächen, in der Legende rechts steht das unter Grün- und Freiflächen. Bild 2 bewertet die Siedlungsflächen in ihrer humanbiologischen Funktion (= Bedeutung für menschliche Gesundheit). In der Legende neben Bild 1 ist das der erste Abschnitt Siedlungsfläche (Wirkraum). 
 
Fazit: 
Bild 1 stellt die klimaökologische Bedeutung der einzelnen Flächen heraus. Die Gutachter stufen die Fläche am Poggenpohl in ihrer klimaökologischen Bedeutung als „sehr hoch“ ein. In Bild 2 stuft die geplante Siedlungsfläche am Poggenpohl als humanbiologisch „sehr ungünstig“ ein.
 
 Zitate aus dem Klimaanpassungskonzept
„Der Verlust von relativ kühlen, gering versiegelten Kaltluftentstehungsräumen und ihr Ersatz durch Bereiche mit tendenziell großem Bauvolumen und hoher Oberflächenversiegelung führt einerseits zu flächenhaften und lokal erheblichen Temperaturzunahmen auf den überplanten Flächen selber, und bedingt andererseits eine Zunahme des Temperaturniveaus in angrenzenden Räumen durch den Verlust von potenziell kühleren Ausgleichsströmungen. Ein besonders auffälliges Beispiel findet sich in den Abbildungen links oben, wo die fast 36 Hektar große Reservefläche „Am Poggenpohl“ in Babenhausen angeschnitten ist. Direkt südlich fällt eine durch die kleinere Reservefläche „Kipps Heide“ verursachte Erhöhung des nächtlichen Lufttemperaturfeldes auf. Beide Areale sind gegenwärtig durch einen landwirtschaftlich bedingten Freiflächencharakter geprägt und in die Modellierung des Zukunftsszenarios als Wohngebiete mit Zeilen- und Hochhausbebauung und Einzel- und Reihenhausbebauung eingegangen." (vgl. S. 41)

„Dort, wo bis zum Prognosehorizont Nutzungsintensivierungen vorgesehen sind, geht die flächeninterne Kaltluftproduktion verloren oder stark zurück. Darüber hinaus behindern die geplanten Siedlungskörper die Überströmung der Kaltluft aus dem Umfeld in die angrenzenden Areale. Daher ist nahezu die Gesamtheit der etwa zehnprozentigen Volumenstromabnahme im prognostizierten Kaltlufthaushalt auf die angesetzte städtebauliche Entwicklung zurückzuführen (Reserveflächenbebauung und Nachverdichtung). Besonders auffällige Effekte treten auch hier wieder in den Abbildungen links oben auf, wo die (bereits in Kapitel 3.2.4.1 erwähnten) Reserveflächen „Am Poggenpohl“  und „Kipps Heide“ deutliche Störungen im Kaltluftströmungsfeld verursachen. Beide Areale sind gegenwärtig durch einen landwirtschaftlich bedingten Freiflächencharakter geprägt und in die Modellierung des Zukunftsszenarios als Wohngebiete mit Einzel- und Reihenhaus unterschiedlicher Bebauungsdichte eingegangen“ (vgl. S.51).

Dieter Kammerer

Aktuell

Korrektur zum Regionalplan

Die Paprika-Koalition hatte nach unserer Information am 17.09. einen Antrag in den Rat eingebracht, u.a. die Flächen zwischen Wittebreite und Am Poggenpohl aus dem künftigen Regionalplan zu nehmen und wollte ihn auch mit ihrer Mehrheit beschließen. Wir waren selbst nicht vor Ort und sind darüber leider nicht richtig informiert worden. Wir gingen davon aus, dass der Beschluss gefasst worden war. Leider haben wir uns aber zu früh gefreut und die Nachricht fälschlicherweise verbreitet.
Es war aber allein unser Fehler, die Information nicht hinreichend geprüft zu haben. Das tut uns sehr leid und wir bitten um Entschuldigung! So etwas soll nicht wieder vorkommen und wir werden die Hinweisschilder dazu schnell wieder entfernen!

Was wirklich beschlossen wurde:
Nach unseren Informationen hatte der Rat einem Antrag der CDU-Fraktion für eine zweite Lesung zugestimmt. Das heißt: erst in einer der nächsten Sitzungen kann darüber endgültig entschieden werden. Wir können nur hoffen, dass die neue Mehrheit im Rat das auch in unserem Sinne tut und dass wir zu einem späteren Zeitpunkt wirklich einen Teilerfolg feiern können.

Das Positive an dieser Nachricht: Es ist zumindest schon einmal ein kleiner Erfolg, dass die Paprika-Koalition diesen Antrag gestellt hat. Unsere Überzeugungsarbeit war also nicht umsonst.
 


Veranstaltungen zur Kommunalwahl

10.8.2020
Bielefeld-natürlich hat in einer coronabedingt nichtöffentlichen Veranstaltung Vertreter der Ratsparteien angesichts der Kommunalwahl zum Thema "Bebauung in Dornberg/Babenhausen nach dem OEK und Klimaanpassung", sowie "Flächenverbrauch" und "Verkehr" befragt. Es kamen: SPD, Die Grünen, CDU, Die Linke, Bürgernähe/Piraten, LiB und UBF, z.T. die Spitzenkandidaten der Parteien. DIe FDP und BfB haben nicht reagiert. Hier gibt's den Videofilm.

Eine zweite Videoaufzeichnung haben wir für die Veranstaltung von pro-grün e.V. am 14.8.2020 angefertigt. Das Thema war Flächenverbrauch, Wohnen und Landwirtschaft. Anwesend waren bis auf zwei neue Personen dieselben Vertreter derselben Parteien. Die Veröffentlichung erfolgte hier: pro-grün.
 
 
12.09.2019
Gutachten zur Kosten-Nutzen-Berechnung der Stadtbahnverlängerung muss für den Fördermittelgeber nachgebessert werden
Wir haben erfahren, dass offenbar nicht nur wir die Berechnung des volkswirtschaftlichen Nutzwertes anzweifeln. Offenbar will auch der Fördermittelgeber NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe), dass das Gutachten noch einmal besser durchgerechnet wird.
Ergänzung:
Mittlerweile hat der NWL zugestimmt, dass die 18 Mio.EUR verbaut werden dürfen - mit Verweis auf die Option zur städtebaulichen Entwicklung.
9.9.2019
Stadtbahn über das Feld nach Ortsteilentwicklungskonzept  führt zu Abriss von neu gebauter Haltestelle, von Gleisen, anderen Bauten und evtl. Teilen der Dürerstraße samt Kreisverkehr
Die Verwirklichung der Weiterführung der Stadtbahn über den Poggenpohl (OEK, S.37) bedeutet, dass die neu zu bauende Endhaltestelle Dürerstraße (die dazu dienen soll, dass die Linie 4 irgendwann durch die Dürerstraße geführt wird), ca. 100m Gleis, eine Lärmschutzwand, sowie Infrastrukturbauten (z.B. der Aufenthaltsraum), d.h. alles Neubauten, mit dem Weiterbau über das Feld wieder abgerissen und 100m vorher wieder aufgebaut werden müssen. Dasselbe gilt möglicherweise für einen Teilabriss der dann neuen, an die Haltestelle anhängenden Dürerstraße samt Kreisverkehr.
Das ist für uns (und bestimmt auch für den Bund der Steuerzahler/innen) zum einen eine weitere Verschwendung von Millionen EUR Steuermitteln. Zudem fragen wir die Politik, was das für den Gestaltungsplan des Bebauungsplans Grünewaldstraße bedeutet, z.B. hinsichtlich der Lärmbelastung des künftigen Wohngebietes und hinsichtlich der Wegeachse, für die extra der gut erhaltende ortsbildprägende Kotten abgerissen werden soll.
2.5.2019
Das überarbeitete Ortsteilentwicklungskonzept

Hier weitere Informationen seitens der Stadt. Vor allem die konkrete Planungsskizze ist erschreckend-interessant. Alle unsere warnenden Überlegungen zum Thema Verkehr werden drei Jahre später bestätigt. Konkret bedeutet es: auf dem Wäldchen am Poggenpohl/Röteweg und den Feldern herum ist eine bis zu fünfgeschossige(!) Bebauung vorgesehen. Insgesamt muss zunächst von 20.000 zusätzlichen Kfz-Bewegungen ausgegangen werden (die hoffnungsvoll schöngerechnet werden) - mehrere Tausend davon betreffen die Schloßhofstraße.
 
8.6.2017
Ortsteilentwicklungskonzept, in der Version, wie sie heute mit den Bürgerinnen und Bürgern in der Grundschule Babenhausen diskutiert wurde