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Fragen und Antworten zum Themenkomplex
"Geplante Projekte auf dem Campus Nord"

Hochschulerweiterung: ja! Aber welche Projekte werden nun wirklich für "Campus Nord" verfolgt und wie sieht es mit den Realisierungschancen aus?









 

Ist „Bielefeld-natürlich!“ etwa gegen Hochschulerweiterungen?

Nein. Die Universität gehört zu Bielefeld und benötigt Erweiterungsoptionen. Dazu gehört auch das sich an den „Campus Nord“ anschließende Gelände, das sinnvollerweise für diesen Zweck reserviert und nicht anderweitig verplant werden sollte. Die für die Universität wichtige Planungssicherheit kann aber zum Nullpreis und in kürzester Zeit durch eine einfache Veränderung des Bebauungsplans erreicht werden. Es liegen schriftliche Erklärungen von Universität und FH vor, dass für sie nur die Planungssicherheit relevant ist und nicht die Verlängerung der Linie 4 in der geplanten Form.
Sollte der erfreuliche Fall eintreten, dass Uni und FH weiter expandieren, muss wie bei allen Neubauprojekten natürlich immer kritisch überprüft werden, ob sich neue Projekte nicht auch auf dem Stammgelände der Universität oder z.B. durch Nachnutzung des FH-Gebäudes an der Kurt-Schumacher-Straße realisieren lassen (was günstig für einen „Campus der kurzen Wege“ wäre). Und auch wenn die Vorteile einer Campus-Universität für Forschung und Lehre offensichtlich sind, soll nicht verschwiegen werden, dass diese starke Konzentration an einem Ort im Bielefelder Westen auch Probleme mit sich bringt.
 

Gibt es konkrete, kurzfristig zu realisierende Projekte für den "Campus Nord"?

Die kurze Antwort ist: "Nein"! Nach Auskunft der Stadt gibt es keine Bauanträge und keine Anfragen auf Förderung konkreter Projekte. Anderslautende Behauptungen sind unwahr. Es ist also unehrlich zu behaupten, dass die Verlängerung der Linie 4 zwingend notwendig für die Weiterentwicklung von Uni und FH sei.
Ebenfalls unwahr ist die oft zitierte Behauptung, dass es schon Anfragen nach Bebauung von "Campus Nord" gegeben hätte, die abgelehnt und anderswo realisiert werden mußten. Auf schriftliche Nachfrage nannte Baudezernent Moss hierzu zwei Projekte: Das geplante Z-Gebäude und das "Innovationszentrum Campus Bielefeld, ICB" (beide im Bau an der Morgenbreede oberhalb der Uni). Eine genauere Recherche ergab, dass beide Projekte definitiv nichts mit dem Campus Nord zu tun haben und nie für dort geplant wurden: Das Z-Gebäude wird ein Bürobau für die neuen Professoren aus dem "Uni-Plus" Programm. Dieses Gebäude würde auf "Campus Nord" wegen der Entfernung zum UHG gar keinen Sinn machen und war definitiv nie dafür geplant. Und zum ICB: Das Projekt ist mittlerweile 10 Jahre in Planung (inkl. Architektenwettbewerb) und war immer für den Standort "Morgenbreede" geplant. Auch hier also: einen Zusammenhang herzustellen ist unehrlich.

Welche Projekte könnten langfristig auf "Campus Nord" realisiert werden?

Dazu gibt es eine ganze Reihe von Ideen und Wünschen (die allesamt noch nicht konkretisiert wurden).
Zunächst ist zu sagen: Sowohl Uni als auch FH gehen von einer Stabilisierung der Studierendenzahlen auf hohem Niveau aus. Eine weiteren Steigerung wie in den letzten Jahren ist nach ihrer Ansicht nicht zu erwarten.
Zu den Projekten: Es besteht der Wunsch der Uni, einen weiteren Forschungsbau neben dem CiTeC zu erstellen. Konkrete Pläne dazu gibt es nach unserer Kenntnis allerdings nicht ... und schon gar keine Pläne, die kurzfristig umgesetzt werden müssen. Die Fachhochschule FH sieht Bedarf für ein Lehrzentrum und eine Kita. Beide Projekte würden die Studierendenzahl nicht erhöhen und sind sicherlich kein ausreichender Grund für eine Verlängerung der Linie 4.
Es wird diskutiert, in der Nähe des „Campus Nord“ Flächen für Universitätsausgründungen und Startups auszuweisen. Ob das wirklich umgesetzt werden sollte, ist unklar. Am Wellensiek wird von der BGW genau aus diesem Grund ein riesiger Gebäudekomplex gebaut (8.000 qm Nutzfläche). Ob diese Flächen in absehbarer Zeit zu knapp sein und durch neue Angebote am Campus Nord ergänzt werden müssen, ist fraglich. Momentan sieht es sogar so aus, als hätte die BGW Schwierigkeiten damit, Mieter zu finden. Auch ist unklar, ob bei Startups die räumliche Nähe zur Universität für beide Parteien zwingend gegeben sein muss. In jedem Fall gilt: Solche Startups sind sicherlich nicht personalintensiv und benötigen ganz sicher keinen Stadtbahnanschluss.

Was ist mit einem Max-Planck-Institut oder einer Medizinfakultät?

Interessant wäre die Ansiedlung von Forschungsinstituten (z.B. Fraunhofer- oder Max-Planck-Institute) auf dem „Campus Nord“. Es wäre ein echter Gewinn für Stadt und Universität, wenn solche Institute nach Bielefeld kämen. Die Realisierungschancen solcher Projekte sind nach Auskunft von Fachleuten momentan aber sehr gering.
Auch eine medizinische Fakultät wäre ein Gewinn für die Uni und die Stadt. Wir begrüßen ausdrücklich die Anstrengungen der Beteiligten, eine solche ins Leben zu rufen. Ob die neue Landesregierung diese jedoch wirklich realisieren kann, bleibt abzuwarten. Vielleicht reichen die dafür reservierten finanziellen Mittel von 50 Mio. EUR pro Jahr aus, wobei die bisherige Landesregierung eher von Kosten in Höhe von 100 - 150 Mio. EUR ausging. Definitiv noch nicht finanziert sind aber die Kosten für Bau, Infrastruktur und evtl. das Grundstück für eine solche Fakultät. Solange diese nicht auch noch vom Land übernommen werden, wird es keine Medizinfakultät geben, denn die Uni kann diese Kosten nicht aufbringen.
Jedenfalls: solche Hoffnungen und Pläne gibt es schon seit Gründung der Universität. Gescheitert sind sie aber nie daran, dass keine adäquate Fläche zur Verfügung stand. Flächen für solche Institute lassen sich auch auf dem Stammgelände der Universität (die Parkhäuser sind hochgradige Sanierungsfälle und könnten mit einem Gebäude überbaut werden) oder z.B. im ehemaligen FH-Gebäude an der Kurt-Schumacher-Straße finden. Hier wären sowohl für die Beschäftigten die Wege zu den Kooperationspartnern kürzer (fußläufige Entfernung anstelle 3 Haltestellen zu fahren!) und die Landschaft könnte auch erhalten werden.
Erfreulicher aktueller Nachtrag: es gibt offenbar interne Diskussionen in der Uni, "mit dem Abriss der Parkhäuser neuen Platz zu schaffen" (NW, 16./17.7.17), so dass es "einen Neubau auf dem Bielefelder Campusgelände geben wird" (ebd.). Das wäre genau der Vorschlag, den "pro-grün" schon vor vielen Jahren gemacht hat und eine richtungweisende Entscheidung, dass die Uni sinnvollerweise auf das Unigelände gehört und nicht an die Lange Lage verstreut wird.

Über welche weiteren Projekte wird nachgedacht?

Die Fachhochschule sieht Bedarf nach einer weiteren Kita, im "Strategiekonzept Wissenschaftsstadt" wird über die Gründung einer internationalen Schule nachgedacht. Ganz abgesehen von den Realisierungschancen: Ob ein Standort auf dem Universitätscampus direkt neben Forschungsgebäuden dafür der richtige Ort ist, darf bezweifelt werden.
Diskutiert wird von einigen auch der Bau von Wohnheimen – sicherlich ein sinnvolles Projekt, um günstigen Wohnraum für Studierende zu schaffen. Warum ein solches Wohnheim allerdings zwingend in direkter Nachbarschaft der Universität angesiedelt werden muss, erschließt sich nicht: Die Infrastruktur in Uninähe (Einkaufsmöglichkeiten, Freizeitangebote, Gastronomie) ist momentan beklagenswert schlecht und Studierende, zieht es, wenn sie wählen könnten, eher in die Innenstadt ("Apfelsinenkiste"). Das gilt nach Berechnungen der Stadtverwaltung im übrigen auch für andere Bewohner Dornbergs (denn Dornberg und alle Bielefelder Außenstadtteile schrumpfen - nur Schildesche und die Innenstadt wird ein Wachstum prognostiziert).

Ist es denn überhaupt realistisch, dass kurzfristig viele Neubauten auf dem "Campus Nord" entstehen werden?

Schlussendlich muss auch klar sein: ob und in welchem Umfang Projekte am „Campus Nord“ realisiert werden können, hängt im Wesentlichen von den Finanzen ab. Das Land NRW hat kaum noch Spielräume. Die Kostenexplosion beim FH-Neubau (Defizit 120 Millionen!) und der aktuelle Baustopp bei der Renovierung der Universität (Gesamtvolumen 1 Mrd. Euro) zeigen deutlich die prekäre Situation, in der sich die Hochschulen befinden.
Dem BLB Bielefeld ist das Mandat zur Bauleitung des Uniumbaus entzogen worden, um ein neues Fiasko wie beim Bau der FH zu vermeiden. Der Umbau wird nach heutiger Prognose 10 Jahre länger dauern als geplant - bis 2036!
Außerdem steht parallel die Sanierung oder der Neubau der Laborschule an, für den schon Architektenplanungen mit der Schule laufen!
Wir erwarten nicht, dass angesichts dieser Aufgabe in den nächsten Jahren noch weitere große Neubauprojekte realisiert werden können.
Und noch etwas: Für die Bebauung des Bereiches Campus Nord / Lange Lage nördlich der geplanten Stadtbahnlinie gibt es ohne Ausgleichsflächen ohnehin kein Baurecht. Also: viele Gründe, um nicht zum jetzigen Zeitpunkt eine Stadtbahn über das freie Feld zu führen!


FAZIT
Im wahrsten Sinne des Wortes: es gibt noch "viele Baustellen" und viele Gründe, die Stadtbahnentscheidung noch nicht zu treffen, die Lange Lage evtl. nicht zu bebauen und stattdessen Alternativen zu prüfen, die die Erweiterungswünsche bedienen, aber nicht die Landschaft verbrauchen - und dabei, wie Neubauten auf dem Stammgelände oder Umnutzung der alten FH evtl. sogar noch attraktiver sind, was die Wegeentfernungen auf dem Campus betrifft.

Aktuell

Präsentation der Bürgerinfo vom 20.11.

 
Jetzt wird es ernst:

DIe Entscheidung zur Linie 4 fällt in den politischen Gremien:


am 30.11.2017 in der BV Dornberg
am 5.12.2017 im Stadtentwicklungsausschuss
am 14.12.2017 im Stadtrat


DIe Einwendungen wurden, wie zu erwarten war, alle abgelehnt - mit zum Teil mindestens tendenziösen Interpretationen der Gutachten im Sinne der politisch gewollten Sicht
(Nur ein Beispiel: es wird angeführt, die Potenzialanalyse von moBiel hätte die Erweiterung der Linie 4 empfohlen. Das ist zwar nicht unwahr, aber gleichzeitig ist diese Variante nie vergleichbar untersucht worden und alle Zahlen des Gutachtens sprechen gegen eine Empfehlung!. Auch weitere Darstellungen zur angeblich besseren Wirtschaftlichkeit der Linie 4 gegenüber Bussystemen sind für den Fall der Linie 4 mindestens tendenziös.
Wir laden jeden Politiker, der sich vor der Abstimmung auch über eine kritische Sicht der Verwaltungsvorlage informieren will, ein, uns zu kontaktieren.

Die Ablehnungen sind hier nachzulesen.
 
Medizinfakultät für Bielefeld auf dem Stammgelände der Universität

"Bielefeld-natürlich!" begrüßt die Initiative der neuen Landesregierung zum Aufbau einer Medizinfakultät als wichtiges Zukunftssignal für OWL, als Stärkung des Hochschulstandortes Bielefeld und als Gewinn für die Stadt Bielefeld.

Wir begrüßen, dass bei der Standortfrage offenbar die Stammfläche der Universität (Bebauung der Parkhausflächen) und keine neue Landschaft im Außenbereich ins Visier genommen wird (NW vom 15./16.7.).
Die Universität hat offenbar die Vorteile dieser Nahflächen erkannt. Wir fordern nun das Land NRW auf, die Universität hierbei zu unterstützen und erwarten von der Stadt Bielefeld, endlich die Linie 4-Verlängerung zu beerdigen. Spätestens jetzt sollte jedem Lokalpolitiker klar werden, dass die Lange Lage für Erweiterungen nicht in Frage kommt und die Stadtbahn nicht gebraucht wird! Schnelles Baurecht für Erweiterungen erhält man gerade nicht auf der Langen Lage!
Zum Nachlesen
Ortsteilentwicklungskonzept,
das mit den Bürgerinnen und Bürgern am 8.6.2017 in der Grundschule Babenhausen diskutiert wurde
 
Unsinn "Verlängerung Linie 4"
Wegezeiten für Pendler zum Campus Nord und Anwohner des Dürerviertels: Linie 4 vs. Buslinie 25/26 vs. Radfahren -
Ergebnis: Kein Zeitvorteil für die Stadtbahn! Mit dem Fahrrad ist man selbst bei nicht optimierten Bedingungen am schnellsten.